Caribous im Nebel |
02. Juli 2003
Was fuer ein Reinfall! Wir haben heute das schlimmste Wetter erwischt, dass man sich denken kann. Nichts war von den majestaetischen Bergen zu sehen, GAR NICHTS! Es regnete die meiste Zeit und selbst die Vorgebirge waren in Wolken. Nach 4 Stunden Fahrt (!) am Zielort angekommen, herrschte so ein Nebel, dass die Sichtweite etwa hundert Meter betrug. Genauso gut haette man gegen eine Betonmauer gucken koennen. Wir haben ja nicht ersthaft angenommen, dass sich der Mt. McKinley voellig wolkenlos praesentiert, aber dass wir nicht mal eine kleinen Teil davon sehen, eine winzige Bergflanke, ein klitzekleines Schneefeld...aber nein, nichts, absolut NICHTS! Es war zum Heulen.
Heute morgen um 6:30 Uhr klingelte zum ersten Mal waehrend unserer Reise der Wecker. Puenktlich um 8:30 Uhr standen wir an der Shuttlebus-Station bereit und stiegen mit etwa 30 anderen Leuten in einen ziemlich spartanischen Bus. Dann zuckelte das Ding los. Die Busfahrerin betaetigte sich nebenbei als Reisefuehrerin und erklaerte dies und das. Hauptattraktion scheint fuer die meisten Besucher das Entdecken und Beobachten von wilden Tieren zu sein. Wir sind da zugegebenermassen inzwischen etwas abgebrueht und geraten nicht mehr bei jedem Caribou in helle Verzueckung. Nachdem ich im Sleeping Giant Nationalpark an einem Rastplatz ein Reh ueberrascht habe und wir uns eine Sekunde im Abstand von 10 Metern verbluefft gegenueberstanden, bevor es mit einem Satz im Wald verschwand und Kirsten vorgestern auf der Fahrt einen Adler gesehen hat, der sich mit einem Fisch in den Faengen ueber die Strasse schwang, sind wir nicht mehr so leicht zu beeindrucken. Als aber die kleinen Asiaten im Bus bei jedem noch so kleinen braunen Fleck auf einem mehrere Kilometer entferntem Hang, die Fernglaeser auspackten und fast den Bus zum Umkippen brachten, mussten wir fast schon wieder lachen. Dabei war die Ausbeute heute erbaermlich. Kein Baer, kein Elch, das hoechste der Gefuehle war eine verschwommene Gruppe Caribous im Nebel. Aber nachdem von der herrlichen Landschaft sowieso nichts zu sehen war, haette auch eine Gruppe tanzender Grizzybaeren nichts an unserem Verdruss aendern koennen.
Dafuer haben wir heute insgesamt 8 Stunden im Bus gesessen und nicht wenig Eintritt bezahlt. Herzlichen Dank! Wir haben die Schnauze von Bergen und schlecht zugaenglichen Nationalparks jedenfalls erstmal voll und werden morgen nach Anchorage fahren. Endlich wieder eine richtige Stadt! Der Abschied von unserem Asylantenheim, wird uns nicht schwer fallen. Obwohl wir das Fish Tale Pale Ale, das wir uns heute Abend genehmigt haben und wegen dem wir jetzt ganz knuelle sind, doch vermissen werden. Danach werden wir uns die Kenai Halbinsel suedlich von Anchorage vornehmen und nach vielen Wochen endlich wieder Seeluft schnuppern.