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Fish Tale Pale Ale

01. Juli 2003

Und schon ist es Juli. Wir koennen aber immer noch nicht genau sagen, ob die Zeit nun langsamer oder schneller zu vergehen scheint als zu Hause. Es ist kein grosser Unterschied festzustellen. Bei der gestrigen Aktion mit der Flugumbuchung konnte ich auch nicht feststellen, dass wir irgendwie ruhiger oder geduldiger geworden waeren. Vielleicht liegt es daran, dass wir unsere Reise bisher zwar wie einen sehr langen Urlaub gestaltet haben, aber nirgendwo laenger geblieben sind. Wir haetten eigentlich aber auch an keinem Ort laenger bleiben wollen. Selbst an den schoensten Stellen zieht es einen doch irgendwie bald weiter, weil es noch so viel zu sehen gibt und weil noch so viel vor uns liegt. Wir freuen uns allerdings jetzt schon tierisch auf unseren Aufenthalt in Melbourne und die Gelegenheit, mal nichts besichtigen oder entdecken zu muessen, sondern einfach nur in Melbourne sein zu koennen.

Heute morgen haben wir uns telefonisch Tickets fuer den Shuttle-Bus in den Denali Nationalpark besorgt. Das ist der Park um den hoechsten Berg der USA, den fast 7000 Meter hohen Mt. McKinley. Der Ansturm darauf hat dazu gefuehrt, dass irgendwann der Eintritt in den Park stark eingeschraenkt wurde. Die 90 Meilen lange Strasse, die in den Park fuehrt, ist fuer den Normalverkehr gesperrt. Einzige Moeglichkeit, hinein zu kommen sind die Shuttle-Busse. Natuerlich ist deren Kapazitaet begrenzt, weshalb ein Riesenbrimborium um vorzeitige Reservierungen gemacht wird. Erstaunlicherweise haben wir schon fuer morgen frueh zwei Tickets bekommen. So werden wir also auch einmal in einem Reisebus des Grauens fahren muessen. Uns gruselt es schon jetzt vor diesem Erlebnis. Aber es ist wie gesagt die einzige Moeglichkeit, den Park und den Berg aus der Naehe zu betrachten und Bilder haben uns davon ueberzeugt, dass es sich lohnt.

Da es im Park selbst nur voellig ueberteuerte Unterkuenfte oder Campingplaetze gibt, sind wir auf die Unterkuenfte ausserhalb des Parks angewiesen, die sich einige Meilen vor und nach dem Park befinden. Healy nennt sich diese traurige Ansiedlung, in der wir uns nun befinden. Die Auswahl ist nicht sehr gross und die Preise...So sind wir nun in einem "Hotel" untergekommen, das eigentlich eine Art Containerkomplex ist. So etwas nennt man bei uns Asylantenheim oder stellt es an Grossbaustellen auf. Und tatsaechlich. Wie wir den Bildern in der "Lobby" entnehmen koennen, stand das Ding mal an der Beauford See, dem arktischen Meer, und war ein Wohnheim fuer die Oelarbeiter. Man hat es Container fuer Container hierher transportiert, um es vor einem der schoensten Naturparks Nordamerikas die Umwelt verschandeln zu lassen. Wir koennen uns nicht helfen, aber ein leichter Oelgeruch haengt hier immer noch in der Luft. Unglaublich. Aber das sind die Gegensaetze auf die wir hier immer wieder treffen. Zwar schuetzt man einen Nationalpark mit einem ausgekluegelten System vor zu vielen Besuchern, aber dann laesst man an anderer Stelle wieder zu, das Containerwohnheime in die Landschaft gesetzt werden. Scheinbar sind die Nordamerikaner fuer solche Fehltritte einfach blind. Wie oft haben wir gesehen, dass sich direkt neben den Haeusern, die in der schoensten Wildniss stehen, kleine Schrottplaetze mit Autowracks befinden. Die Leute wohnen quasi in einem Schrottplatz - umgeben von unberuehrter Natur. Das soll jemand verstehen.

Da wir Hunger hatten sind wir heute Abend in die "Lounge" gegangen. Da trifft man dann auf ein interessantes Publikum. Die Oelarbeiter werden muehelos durch Bauarbeiter ersetzt, die allle paar Meilen den Highway ausbessern und wohl hier wohnen, weil es sonst zwischen Fairbanks und Anchorage nicht viel gibt. Aber die Atmosphaere war dann schon wieder lustig. Das war so original amerikanisch, dass es aus einem Film haette sein koennen. Maenner in fleckigen Jeans mit zauseligen Baerten und speckigen Baseballmuetzen sitzen an der Bar und lachen groelend, waehrend die Jukebox beide Arten von Musik, naemlich County und Western spielt. Auch Frauen gibt es, die dauergewellt kreischend lachen. Auf der Bierkarte gibt es Biere, die "Fish Tale Pale Ale" oder "Oosik Amber" heissen. Und wenn dann ein alter Rod Stewart-Song aufgelegt wird, werden alle sentimental und schneutzen in die grauen Baerte.