Hitzefrei in Fairbanks |
29. Juni 2003
Es hat dann doch nicht die ganze Nacht geregnet. Probeweise haben wir mal die Rueckbank im Jeep umgeklappt und die so entstehende Flaeche inspiziert. Dabei ist uns sogar ein Wagenheber und Radschluessel in die Haende gefallen. Den haetten wir niemal unter der Rueckbank vermutet. Da sie sich sogar ganz leich herausheben laesst, koennte man im Notfall vielleicht wirklich darin schlafen. Aber wohin mit dem Ding und dem ganzen Gepaeck? Da unser Zelt regendicht wirkte, entschieden wir uns dafuer, dort zu naechtigen.
Wer Zelten romatisch findet, hat unserer Meinung einen Sprung in der Schuessel. Weder ist der Campingplatz besonders romantisch gelegen, noch ist es ein Verguengen, dass morgens ob Regen oder nicht immer alles nass ist. Unser Zelt war jedenfalls heute Morgen von innen feuchter als von aussen. Schoen gelegene Campingplaetze besitzen meistens keinerlei Duschen und hoechstens Plumpsklos. Nicht gerade unser Ding.
Auch haben wir den Verdacht, dass wir nicht genau zur Zielgruppe unseres Reisefuehrers gehoeren. Der Autor berichtet immer ganz begeistert von diesen moeglichst abgelegenen Strafkolonnien. Je wildnisser desto besser. Auch die Wanderwege, die er vorschlaegt, sind ausnahmslos absolute Haertner-Teile, die ueber mehrere Tage gehen und mindestens 150 Kilometer und 2000 Hoehenmeter mit Kanu ueberwinden. Auf Du und Du mit dem Grizzly. Je schlagloechriger die Strasse, desto geiler und erst wenn im Umkreis von 50 Kilometern kein Mensch mehr ist, der einem im Notfall helfen koennte, fuehlt sich der Bushwanderer richtig wohl. Ich kann mir nicht helfen, aber das ist genauso extrem wie die Wagenburgmentalitaet der Wohnbussbesitzer. Wir koennen mit beidem nicht besonders viel anfangen.
Nach kurzer Fahrt sind wir gegen Mittag in Fairbanks angekommen, dem noerdlichsten Punkt unserer Reise. Nach kurzer Zeit hatten wir ein preiswertes B&B gefunden, in dem wir zwar ein sehr kleines Zimmer haben, das aber ganz witzig eingerichtet ist. Von aussen ist es ein verschachteltes Holzhaus, innen herrscht ein munteres Durcheinander von alten und neuen Moebeln. Unser Vermieter kam nur mit Shorts bekleidet aus dem Garten und nahm uns in Empfang.
Das mit den Shorts muss ich erklaeren. Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber wir sind heute in Fairbanks fast geschmolzen. Hier sind es mindestens 30 Grad und es haette nicht viel gefehlt und wir haetten uns in den Fluss gestuerzt. Gut dass wir hitzefrei haben. Beim Stadtbummel sind wir fast verdurstet. Die ganze Zeit im Yukon konnten wir einen Pullover gut gebrauchen. Hier ist es so heiss, dass man sich am liebsten ganz ausziehen wuerde. Und das in einer Stadt, in der im Winter gadenlose Kaelte herrscht, im Freien aus Eisbloecken Skulpturen geschnitzt werden und Schittenhunderennen stattfinden.
Schon unser Reisefuehrer bezeichnete die Bewohner von Fairbanks als etwas exzentrisch und wir koennen das nur bestaetigen. Als wir bei unserem Stadtrundgang kurz am Auto Wasser in uns reinschuetteten, kam ein Freak vorbei, der sich kurzerhand entschloss, neben uns die Fassade des Hauses hochzuklettern. Da in Abstaenden, Backsteine aus der Hauswand ragten, ging das im Prinzip schon, aber sah trotzdem etwas gewagt aus. Oben angekommen, schnaufte er laut und kletterte wie eine Katze jaulend wieder herab. Wir taten so, als sei ess das Selbstverstaendlichste der Welt. Schliesslich sind wir Frankfurter, da ist man ja einiges gewohnt. Jeden Moment erwarteten wir, das neben uns ein Koerper auf dem Buergersteig zerschellte. Untern angekommen, ging der Freak weiter, als sei nichts geschehen. Das ist hier wohl normale Haerte.
Nach diesem einschneidenden Erlebnis haben wir uns ausserhalb der Stadt eine Diashow zu den Nordlichtern angesehen, die im Winter von Fairbanks aus ganz besonders gut zu sehen sein sollen. Leider koennen wir das nicht nachpruefen, denn nahe der Sommersonnenwende geht die Sonne hier momentan fuer gerade mal eine Stunde unter. Da hat es sich mit Nordlichtern natuerlich. Die mit klassischer Musik unterlegte Diashow war sehr beeindruckend.
Fairbanks ist schon ein wenig anders. Hier gibt es einen Golfplatz, der im Sommer 24 Stunden geoeffnet hat und eine Universitaet, von deren Campus aus man den fast 7000 Meter hohen Mt. McKinley sehen kann. Wir haben ihn gesehen! Wahnsinn! Aus der Ferne leuchtete er ganz schwach, aber ueber 250 Kilometer Entfernung deutlich zu erkennen. Ein erhebendes Gefuehl.