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Giganten

28. Juni 2003

Da uns Tok weiter nichts zu bieten hatte, sind wir heute Morgen Richtung Fairbanks aufgebrochen, allerdings nicht auf direktem Wege. Unser Reisefuehrer empfahl uns einen Zickzackkurs, der uns zweimal die Alaska-Range uebequeren liess, das ist ein Gebirgszug, der sich etwa in der Mitte Alaskas von Ost nach West zieht. Dabei hatten wir unglaubliche Ausblicke auf 3000 bis 4000 Meter hohe Berg, deren schneegekroenten Gipfel fast alle frei von Wolken waren. Damit sieht man hier die Berge, die im Kluane Nationalpark noch hinter Vorgebirgen versteckt lagen und die wir nur vom Flugzeug aus sehen konnten. Hier dagegen kann man sehen, wie sich die Gebirgsmassive aus der Ebene in ungeahnte Hoehe aufschwingen. Giganten. Geraet eine Bergkette aus der Sicht, tut sich schon in einer anderen Richtung die naechste auf. Wir haben heute mindestens drei solcher Gruppen gesichtet. Ich habe noch nie so viele Fotos waerend einer Autofahrt geschossen.

Da wir den ganzen Weg nach Fairbanks nicht mehr fahren wollten, sind wir in Delta Junction haengen geblieben. Man ahnt es schon, ein weiteres Pisskaff an einer Kreuzung. Hier ist der Alaska- Highway offiziell zu Ende. Weil die Unterkuenfte schlecht aussahen und teuer waren, haben wir uns zum Zelten entschlossen. Eben noch haben wir in der Sonne geschwitzt (ungelogen!) und jetzt regnet es. Das geht hier mal so eben in 15 Minuten. Die Temperatur faellt sowieso jedes Mal, wenn die Sonne hinter einer Wolke ist, um 10 Grad. Heute Nacht gibt's dann wahrscheinlich Bodenfrost und wir koennen am Morgen nicht aufstehe, weil wir festgefroren sind. Wenn es nicht nur ein Schauer ist, werden wir in den sauren Apfel beissen muessen und uns doch noch ein Motelzimmer nehmen.

Die Sonne hier weigert sich foermlich unterzugehen. Immer wenn man denkt, gleich waere es soweit, biegt sie, statt zu sinken, nach Norden ab und schlittert dem Horizon in so einem flachen Winkel entgegen, dass sie ihn nie zu erreichen scheint. Am Polarkreis muss es jetzt tatsaechlich so sein. Die Sonne sinkt und wenn sie genau im Norden steht, geht sie wieder auf! So weit in den Norden werden wir allerdings nicht kommen. Aber da nicht mehr viel fehlt, herrscht bis in die Nacht hinein eitel Sonnenschein. So schade das um die schoenen Lichterspiele ist, muss man machmal doch energisch den Vorhang zuziehen und ins Bett gehen. Schliesslich sind wir oft so kaputt, dass wir doch etwas Schlaf gebrauchen koennen.