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Baeren Klatschen

26. Juni 2003

Heute haben wir uns zu dem uns gebuehrenden Platz im Kluane Nationalpark begeben: dem Koenigsthron. Das ist ein Berg mit einem fast halbkreisformigen Kamm (die Rueckenlehne), der eine Mulde einschliesst (den Sitz). Zu der Mulde schlaengelt sich ein sehr steiler Pfad erst durch Wald dann ueber Geroell. Wir sind also quasi die Stuhlbeine hochgekrabbelt. Weiter als bis zum Sitz haben wir uns nicht getraut. Man haette noch die Lehne hochsteigen koennen, aber wer hat denn schon mal gehoert, dass ein Koenig auf der Stuhllehne sitzt? Auch so hat unsere Wanderung knapp 4 Stunden gedauert.

Kluane ist das Gebiet mit einer der hoechsten Dichte von Grizzly-Baeren. So viele Schilder und Broschueren warnen vor Leichtsinn und geben Tips, wie man eine Begegnung vermeiden, oder wie man sich verhaelt, wenn es doch dazu kommt, dass wir reichlich nervoes wurden. Dabei muss man wissen, dass Grizzlys nur gefaehrlich werden, wenn man sie ueberrascht oder in Bedraengnis bringt. Ansonsten gehen sie einem aus dem Weg und wollen ihre Ruhe haben. Ein Vorschlag lautet demnach, Geraeusche zu machen, wenn man durch den Wald geht, damit der Baer weiss wo man ist. Man soll also singen, laut reden oder klatschen. Genau das, was man sonst immer zu vermeiden sucht, um eventuelle Tiere nicht zu erschrecken und mal ein Reh zu Gesicht zu bekommen. Da heute aber ein so starker Wind durch die Baeume rauschte, dass er locker unsere Schritte uebertoente, begannen wir tatsaechlich zu klatschen. Dabei fuehlt man sich zwar voellig bescheuert, aber lieber bescheuert als vom Grizzly gefressen. Richtig sicher haetten wir uns allerdings erst gefuehlt, wenn hinter uns eine kompletter Faschingsumzug marschiert waere, der mit Pauken und Trompeten den Narhalla-Marsch zum Besten gegeben haette. Versuchsweise stimmten wir ihn selbst mit Rumtata und Dschingderassabumm an, aber am Ende war dann das Klatschen wohl doch besser. Was wenn der Baer kein Fasching gemocht haette?

Also zogen wir klatschend durch den Wald, pusteten ab und zu in die brennenden Haende und machten uns mit Gedanken an taube Baeren verrueckt.

Weiter oben trafen wir dann ein paar Leute und ausserdem liessen wir die Baumgrenze hinter uns, so dass wir uns etwas lockerer machen konnten. Die Aussicht sorgte ebenfalls fuer Ablenkung. Unter uns ein riesiger tiefblauer See, der so vom Wind gepeitscht wurde, dass selbst von weit oeben noch weisse Schaumkronen zu erkennen waren. In alle Richtungen lagen Berge, nicht die maerchenhaften Schneeberge von gestern, sondern nur die Berge, die die Grenze des Kluane Nationalparks bilden, und die nicht viel hoeher als 2000-3000 Meter sind. Trotzdem konnten wir uns wieder nicht satt sehen.