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Berge aus Schnee

25. Juni 2003

Dies heute war zweifellos wieder ein absoluter Hoehepunkt unserer Reise. Puenktlich um 8:30 Uhr fanden wir uns am Flughafen ein. Nachdem noch zwei weitere Leute eingetroffen waren, stiegen wir in eine winzige 5-sitzige Maschine und es ging los.

Bevor wir in die Hochgebirgsregion eintauchten machte der Pilot allerdings noch einen kurzen Abstecher zu seiner Goldmine, um dort nach seinem Kollegen zu sehen. Dabei kurvte er so steil durch einen engen Canyon, dass mir ganz flau im Magen wurde. Kirsten wurde leicht gruen im Gesicht und hatte in der Folge schwer zu kaempfen, um die Kotztuete nicht komplett mit unserem Fruehstueck zu fuellen. Am Ende hat sie diesen Kampf heldenhaft fuer sich entschieden und das Fruehstueck blieb drin. Seitdem ist sie Spezialistin fuer die Oeltemperatur in 5-sitzigen Flugzeugen, weil sie in unangenehmen Momenten diese Anzeige angestarrt hat, um einen Fixpunkt zu haben. Sogar der Pilot war beeindruckt

Was dann kam, sprengte den Rahmen dessen, was wir bisher an Bergen und Gletschern gesehen haben. Erst schien das Wetter gar nicht so gut zu sein, aber dann waren wir ueber den Wolken und sahen unter und neben uns ein unglaubliches Gemisch aus Wolken, elegant geschwungenen Gletscherzungen, schneeweissen Bergen und blauem Himmel. Es war unbeschreiblich schoen. Wir konnten den fast 6000 Meter hohen Mt. Logan in der Ferne leuchten sehen, dessen Massiv ihn vom Volumen her zu einem der groessten Bergen der Welt macht. Und den 5500 Meter hohen St. Elias, der dem Gebirgszug seinen Namen gibt und fast direkt an der pazifischen Kueste steht. Der Ozean ist auch fuer den vielen Schnee dort oben verantwortlich. So ragen die Berge aus dem groessten nichtpolaren Eisfeld der Welt. Viele Wolken verdeckten die Sicht, aber trotzdem oder sogar gerade deswegen waren die Ausblicke atemberaubend. Da wo die Gletscher enden, beginnen wild maeandernde Fluesse ihren Weg zu den Ozeanen.

Wir haben einen Gletscher gesehen, aus dem zwei Fluesse entspringen, die fast rechtwinklich voneinander wegfliessen; der eine in den Pazifik, der andere ins Polarmeer.

Wir haben zwei gestreifte Gletscher gesehen, die sich in einem langezogenen Bogen zu einem vereinigen.

Wir haben Berge gesehen, die fast nur aus Schnee zu bestehen scheinen und weit ueber den Wolken thronen.

Wir haben Wolken ueber Bergpaesse kriechen sehen.

Wir haben Gletscherspalten gesehen, in die ein Haus gepasst haette und Lawinenabgaenge, von denen man besser nicht ueberrascht wird.

Wir haben Berggipfel so spitz wie Nadeln gesehen, die so nah schienen, dass man sich fast haette in die Finger stechen koennten.

Wir haben kleine blaugruene Teiche im Gletscher gesehen, wo sich Tauwasser sammelt und dann wieder gefriert.

Unser kleines Flugzeug schien hoch oben in der Luft zu stehen, wenn es keinem Gipfel nahe kam und ploetzlich dahinzurasen, wenn wir an Bergflanken entlangflogen. Diese Natur ist von einer derartigen Unberuehrbarkeit dass es kaum zu fassen ist. Man braucht mit dem Flugzeug fast 25 Minuten um allein hinzukommen. Keine Strasse, keine markierten Wanderwege fuehren dorthin und kein Mensch lebt dort.

Es war wie im Maerchen. Ein unvergessliches Erlebnis, von dem wir uns jetzt erstmal erholen muessen.