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Kein Spielzeug

24. Juni 2003

Ein Wort zu der Wohnmobilseuche, die hier grassiert. Scheinbar ist es schwer in Mode den Alaska-Highway mit einem Wohnmobil abzufahren. Allerdings ist Wohnmobil eigentlich ein verharmlosender Ausdruck. Es sollte eher Hausbus oder Residenzmobil heissen. Einige haben die Groesse eines ausgewachsenen Reisebusses und hinten dran haengt noch ein Auto, weil man mit dem Teil am Ziel angekommen ja nicht ueberall hinkommt. Da sie Strecken unwegsam sind ist das Auto dann ebenfalls nicht klein, sondern oft eine Art Jeep. Wobei die Jeeps hier oeft Groessen erreichen, dass unser Jeep sich daneben wie ein Spielzeugauto ausnimmt. Diese Zuege halten dann den Verkehr auf, verstopfen Park- und Rastplaetze und gehen uns inzwischen allein mit ihrer Anwesenheit tierisch auf den Geist. Auf manchen Parkplaetzen kann man den gesamten Wagenpark von Cruise-Canada oder aehnlichen Autoverleihern bewundern. Aber eigentlich koennen sie einem Leid tun, denn am Ziel angekommen, wartet ein Trailer-Park auf sie, auf dem sie ihr Hausmobil dann neben hundert Anderen auf einer Art Parkplatz abstellen koennen. Dort stehen sie eng, dass sie gerade ihre Tueren oeffnen koennen - aber immer nur eine Seite. Grauenhaft! Keine Ahnung, was daran erstrebenswert sein soll. Unser Herbergsvater in Watson Lake hat den Vergleich mit einer Wagenburg gebracht und genau so sieht es aus.

Nachdem wir heute Morgen in Whitehorse das erste Paeckchen mit Fotos nach Hause geschickt und unsere Klamotten gewaschen haben, sind wir nach Hains Junction aufbrochen. Dort hatten wir gestern schon ein Motel reserviert, weil die inzwischen auch schon mal voll sind. Gott sei Dank war die Fahrt kurz. Wir gehen doch etwas auf dem Zahnfleisch, was die Fahrerei angeht. Nachdem wir eine Weile durch einen eher mittelgebirgigen Landstrich gefahren waren, erhob sich in der Ferne ploetzlich ein Riegel mit schwarz-weiss gescheckten Bergen, deren Schneefelder in der Sonne gleisten. Als wir naeher kamen, verschlug es uns die Sprache. Ich habe mich gestern geirrt, die Berge des Kluane Nationalparks sind bis fast 6000 Meter hoch - und sie sehen auch so aus. Zwar erfuhren wir hinterher, dass keiner der hoechsten Gipfel von der Strasse aus zu sehen ist, aber ein paar 4000er hatten wir wohl schon in Sicht. Dagegen nahmen sich die Rockie Mountains wie Spielzeugberge aus.

Von unserem Motelzimmer haben wir einen schoenen Blick auf das Vorgebirge. Hier werden wir jetzt erstmal drei Tage bleiben und Wandern und vielleicht einen Rundflug machen, um auch die hoechsten Gipfel zu Gesicht zu bekommen.