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Yukon Ho!

22. Juni 2003

Mit Riesenschritten naehern wir uns Alaska und sind im Yukon angelangt, der nordwestlichsten Provinz Kanadas. Wieder mussten wir feststellen, dass 500 Kilometer bei diesen Strassenverhaeltnissen kein Pappenstiel sind. Zwar ist die Strecke meist sehr gut ausgebaut, aber es kommen auch immer wieder kurvige Passagen, die sich nicht so schnell bewaeltigen lassen. Dazu kommen die unzaehligen Wohnmobile, die wie ueberall in der Welt den Verkehr aufhalten.

Wie wir aus dem Reisefuehrer erfuhren, wurde der Alaska Highway 1940 gebaut, und zwar in unglaublichen 9 Monaten! Natuerlich nicht in der Form wie er heute existiert, sondern als Schotterstrasse. Seitdem ist er immer mehr ausgebaut worden. Manchmal sieht man neben der heutigen Strecke, einen Teil der alten Strasse, der langsam von der Vegetation verschlungen wird.

Da es zwischen Fort Nelson, wo wir die letzte Nacht verbrachten, und Watson Lake so gut wie nichts gibt, hat man nicht viele Moeglichkeiten, ausser eben den ganzen Weg zu fahren. Es ist nicht zu fassen, wie duenn besiedelt diese Gegend ist. Aber dafuer sieht man umso mehr von der Tierwelt. Wir koennen heute stolz die Sichtung von etlichen Ziegen- und Schaf-Arten mal mit spitzen, mal mit geschwungenen Hoernern, zwei Schwarzbaeren, einer davon seelenruhig am Strassenrand grasend (vermutlich gerade auf Gemuesediaet) und einem Wolf (aeusserst selten!) vermelden.

Dabei haben wir es heute geschafft, neben der anstrengenden Fahrerei auch fuer etwas Entspannung zu sorgen. Auf etwa dem halben Weg befindet sich ein kleiner Bach mit einer heissen Quelle. Auf einem Holzsteg wird man ueber Feuchtwiesen zu der Quelle gefuehrt, die in einem lichten Wald liegt. Dort hat man ausser ein paar Holztreppen, Kabinen zum Umziehen und weiteren Stegen nichts an der natuerlichen Umgebung geaendert. Natuerlich ist diese Attraktion sehr beliebt, weshalb sich ziemlich viele Leute dort tummelten. Wir wunderten uns erst, warum sich alle im unteren Teil des Baches aufhielten, bis wir versuchten, in den oberen Teil zu steigen. Teufel war das heiss! Je weiter man aber von der Quelle weg war, desto ertraeglicher wurde die Temperatur. Also haben wir uns langsam von weiter unten zur Quelle hochgearbeitet. Dabei war es witzig, die Reaktionen der anderen Besucher zu beobachten. Die Stimmung war entspannt und man gab sich gegenseitig Tips, wo die Stroemung am kuehlsten war. Laut Schild tritt das Wasser mit 53 Grad aus. Keiner hat es bis an den oberen Pool geschafft, der die eigentliche Quelle darstellt.

Durch den Wald ging es dann noch zu einem weiteren Pool, diesmal eine Art kleiner Teich, in dem man richtig schwimmen konnte. Dort sprach uns dann ein aelterer Amerikaner an, der gehoert hatte, dass wir Deutsche sind. Natuerlich hat er deutsche Verwandte und hiess sogar Kraus. Diesmal hatten wir es mit dem Small-Talk richtig gut drauf. Wie wir feststellten, beenden die Amis das auch irgendwann ganz elegant und man muss nicht befuerchten, dass man sie nicht mehr loskriegt. Wir sind aber auch inzwischen offener geworden, was solche Gespraeche angeht.

Gegenueber den heissen Quellen lag dann ein Cafe, und so schluerften wir nach der Antrengung erstmal Kaffee (die uebliche duenne Ploerre) und naschten einen Schoko-Muffin. Man konnte glatt vergessen, dass man mitten in der Wildniss sass und im Umkreis von 200 Kilometer absolut nichts ist.

In Watson Lake angekommen, mussten wir mit Schreck feststellen, das irgendeine Konferenz stattfindet und alle Motels belegt waren. In der Visitors Information fand man schliesslich noch etwas fuer uns. Wir sind jetzt in einer Lodge gelandet, die den Charme einer Jugendherberge versprueht. Erst waren wir ganz irritiert, dass die "Herbergsmutter" noch schlechter Englisch sprach als wir, aber dann stellte sich heraus, dass sie aus Oesterreich kommt. Die Zimmer sind spartanisch, aber neu rennoviert und das Badezimmer auf dem Gang, aber das macht uns nichts aus und der Preis ist ok. Beim Hereinkommen muessen alle Gaeste ihre Schuhe ausziehen, was besonders die amerikanischen Gaeste voellig verwirrt. Kurz dachten wir, unsere Herbergsmutter koennte irgendeiner christlich-fundamentalen Sekte angehoeren, und sie wuerde gleich anfangen, uns zu bekehren, aber dann blieb es doch bei den Tips fuer Spaziergaenge und Restaurantes. Wobei Watson Lake wirklich ein absolutes Kaff ist und wir die entscheidenden Dinge auch selbst gefunden haetten. Hauptattraktion ist ein Schilderwald. In der Naehe der Visitors Information hat man unzaehliche Pfosten in die Erde gerammt und jeder kann dort sein Schild anbringen. Vorwiegend sind es Ortsschilder aus allen Herren Laendern, daneben Nummerschilder oder selbstgemalte Holzschilder. Es sollen mittlerweile fast 50.000 sein und deutsche Schilder sind natuerlich auch vertreten und zwar nicht zu knapp.