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Wild gewordene Zuege und Reisebusse des Grauens

17. Juni 2003

Machen wir es kurz: Die Nacht war schrecklich. Ueberraschend ist aber, dass uns (nach meinem Allergieanfall natuerlich, aber der kam ja nicht wirklich ueberraschend) am meisten die verdammte Bahn genervt hat. Wie wir schon in den USA leidvoll erfahren haben, besitzen die Zuege hier die unangenehme und auch voellig unverstaendliche Angewohnheit, vor kreuzenden Strassen zu hupen was das Zeug haelt. Hupen ist allerdings gar kein Ausdruck, denn das ganze Tal hallt von Fanfaren wider, die eines Ozeandampfers wuerdig waeren. Wie die Anwohner hier damit zurechtkommen, ist uns schleierhaft. Da ist man mitten in schoenster Natur und dann raubt einem der stuendlich wild gewordene Zuege jeden Schlaf. Aber wir haben uns noch nicht ins Bockshorn jagen lassen und werden auch diese Nacht hier zelten. Allerdings mit zwei Verbesserungen: Ich nehme meine Anti-Allergietabeletten und wir stecken uns Ohropax in die Ohren. Sollte das noch nicht genug sein, haben wir noch Schlaftabletten. Mit der Kombination sollte ein Schlaf doch eigentlich moeglich sein. Danach werden wir allerdings wohl wieder ein Motel suchen. Nicht zuletzt weil sich nicht bestaetigte, was man allgemein annimmt: Der Campingplatz liegt nicht an einer der schoensten Stellen. Der erhoehte Teil mit Aussicht auf die Berge war leider nur fuer die Wohnmobile reserviert. Wir hatten nur Aussicht auf Baeume.

Nachdem uns gestern 300 Hoehenmeter ziemlich ausser Puste gebracht haben, es fuer andere aber scheinbar die Hausstrecke zum Joggen ist, haben wir uns heute an 650 Hoehenmeter gewagt. Einige Male wurden wir auf dem Weg von Leuten ueberholt, die ausnahmslos juenger waren als wir und ich konnte mich dumpf daran erinnern, dass ich mit 20 auch noch irgendwie schneller den Berg hoch kam. Ich weiss gar nicht, woran das liegt. Trotzdem hatten wir es in 1 Stunde 45 Minuten geschafft und das ist wohl nicht gar so schlecht.

Weil der 2300 Meter hohe Gipfel bequem mit einer Gondel zu erreichen ist, nahm die Touristendichte oben angekommen abrupt zu. Und wen wundert's auch die Dichte der Insassen von "Reisebussen des Grauens" nahm unertraegliche Masse an. Und jetzt wundert sich wirklich keiner mehr: Auch die Dichte deutscher Pauschaltouristen nahm zu, die statt die Aussicht zu geniessen, lieber ueber die Polen laestern, "die ja doch nur unser Geld wollen" nachdem sie zur EU gehoeren. Da war sie wieder die Ich-glaub-ich-komm-zu-kurz-Mentalitaet, der wir entkommen zu sein glaubten. Die Kanada-Reise konnten sie sich aber trotz der Polen doch noch leisten. Komisch, oder? Aber wir regten uns nicht mehr als noetig auf, blieben inkognito und genossen die Aussicht auf die Berglandschaft. Und die war wirklich atemberaubend. Wir waren auch immer noch etwas ausser Atem von dem Aufsteig und so standen wir da und schnappten nach Luft.

Da die Talfahrt mit der Gondel kostenlos war, nahmen wir diese Moeglichkeit gerne an. Hier sind sowieso manchmal bestimmte Sachen sehr nett geregelt. Beispielsweise durften wir mit unserem Ticket fuer den "Fernsehturm" von Calgary mehrfach am Tag auf den Turm. Das haben wir natuerlich gleich genutzt, um zum Sonnenuntergang nochmal hochzufahren. Der Eintritt in den Nationalpark wird auf Tagesbasis erhoben. Es gibt aber auch ein Jahresticket, das sich natuerlich erst nach ein paar Tagen tatsaechlich lohnt. Statt uns in tiefe Gruebeleien zu stuerzen, erklaerte uns die Dame an der Eingangsstation, dass wir einfach so lange Tagespaesse kaufen koennten, bis sie den Preis eine Jahrestickets uebersteigen wuerden und dann nachtraeglich doch noch einen Jahrespass kaufe koennten. Das ist doch sehr fair.

Damit war unser ereignisreicher Tag aber immer noch nicht zu Ende. Gleich neben der Talstation der Bergbahn gibt es eine heisse Quelle und einen Pool, in dem man sich von den Anstengungen des Tages erholen kann, was wir dann verdientermassen auch ausgiebig taten.