In die Rockies |
16. Juni 2003
Diese Zeilen schreibe ich in abendlicher Daemmerung vor unserem Zelt im Wald sitzend. Heute wagen wir es und zelten mitten im Banff Nationalpark. Dabei machen wir uns heute Nacht wahrscheinlich in die Hose. Hier wird man gleich mehrfach darauf hingewiesen, dass man bloss nichts Essbares offen liegen lassen soll, weil ein paar Baeren gesehen wurden. Ausserdem gibt es noch Woelfe und Pumas und wenn wir dann von den wilden Tieren gefressen worden sind, werden das die letzten Zeilen sein, die ich schreibe. So long...
Aber der Reihe nach. Wir hatten Glueck heute morgen und haben eine Autowerkstatt ausfindig gemacht, die unsere Bremsen ueberpruefte und gleich alles reparierte. Zaehneknirschend blaetterten wir einen nicht unerheblichen Betrag hin, aber da wir in die Berge fahren wollten, waren uns funktionierende Bremsen dann doch sehr wichtig. Der Mechaniker schaetzte den Wert unseres Jeep dann so erfreulich hoch ein, dass wir guter Dinge sind, die Ausgaben wieder rauszuholen.
Danach besuchten wir den Olympiapark und schauten von der 90 Meter-Schanze in die Tiefe. Zu unserer grossen Enttaeuschung war die Bobbahn geschlossen. Im Winter kann man da im Bob runtersausen.
Danach ging's ab in die Rockies. Nachdem wir Calgary hinter uns gelassen hatten, fuehrte die Autobahn schnurstracks auf die Bergkette zu, die sich quer zu unserer Fahrtrichtung entlangzog. Die Landschaft wurde langsam immer huegeliger und bald sah es aus wie in den Vorderalpen. Was fehlte waren nur noch die Doerfer mit dem unvermeindlichen Kirchturm in der Mitte. So unwahrscheinlich es klingt, zwischen Calgary und dem 100 Kilometer weiter westlich, schon mitten in den Rockies gelegenen Canmore gibt es keinerlei sichtbare Ansiedlungen. Ausser lieblichen Weiden ist nichts zu sehen.
Als dann die Berge aus dem fernen Blau in greifbare Naehe gerueckt waren, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Rockies haben hier eher Dolomitencharakter. Nur wenig Schnee ist zu sehen. Banff ist ein ziemliches Touristennest aber jetzt in der Vorsaison eigentlich ganz nett. Wir konnten uns nicht zurueckhalten, gleich den Hausberg zu erklimmen. Das ist der Vorteil von so angen Tagen. Man kann um 19:00 Uhr noch locker eine kleine Bergwanderung starten. Ich muss nicht betonen, dass die Ausblicke im Abendlcht absolut erhebend waren.
Jetzt warten wir die Nacht ab und werden morgen entscheiden, ob wir nun echter Camper sind oder nicht.