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"Strandtag"

15. Juni 2003

Ja, der heutige Tag hat uns bestaetigt, dass Calgary einer unserer Lieblingsstaedte werden wird. Obwohl wir es heute haben langsam angehen lassen und gewissermassen einen "Strandtag" eingelegt haben. Als Strand musste zwar das Flussufer herhalten, aber wir hatten dort einen aeusserst entspannten Tag mit Lesen, in der Sonne oder im Schatten doesen und testweise mal die Fusszehen ins wie immer eiskalte Wasser halten. Es wird wohl bis Hawaii dauern, dass wir mal tatsaechlich Baden koennen, wenn wir einladendes Wasser sehen.

Mit Lesestoff sind wir noch gut versorgt. Ich lese ja ohnehin nicht so schnell und haben noch ausreichend deutsches Lesefutter. Kirsten hat sich schon frueh an einen englischen Reisebericht ueber Australien gewagt. Nach ein paar Besuchen in Buchhandlungen, die ohne Ausnahme eine riesige Auswahl an SF & Fantasy-Literatur haben, war es dann um mich geschehen und inzwischen habe ich zwei Romane und eine Sammlung mit Kurzgeschichten erstanden. Ein paar Geschichten habe ich schon gelesen und es klappt ganz gut. Auch mit dem englisch Sprechen und Verstehen machen wir Fortschritte. Inzwischen schauen wir nicht mehr in jedem Fall verstaendnislos aus der Waesche, wenn uns jemand anquatscht und machmal koennen wir sogar spontan antworten und kommen uns nicht mehr ganz so toelpelhaft vor.

Als Kirsten heute Abend im knapp 200 Meter hohen Aussichtsturm Calgarys von einem aelteren Herrn angesprochen wurde, der ihr 25 Cent schenkte, waren wir aber dann doch wieder einigermassen verbluefft. Wir hatten uns dort den Sonnenuntergang angeschaut. Laut einem Sprichwort solle es einen Tag Glueck bringen, schenkt einem ein Fremder einen Pennie. Kirsten haette jetzt also 25 Tage Glueck. Nachdem wir zugegeben hatten, dass wir aus Deutschland kommen, rezitierte er noch ein deutsches Liebesgedicht und verabschiedete sich hoeflich. Fuenf Minuten spaeter kam er wieder um die Ecke und hat offensichtlich alles vergessen. Gerettet hat uns dann ein Amerikaner, der seinerseits ihn ansprach und uns eine Lektion in Sachen Small-Talk erteilte. Sprachlos vor Staunen verfolgten wir das Gespraech der beiden. Da konnten wir uns noch eine Scheibe abschneiden.

Da sich der Reisfuehrer fast darin ueberschlaegt, die vor uns liegenden Nationalparks Banff und Jasper in den Rockies in hoechsten Toenen zu loben, zieht es uns schon morgen weiter. Vorher werden wir allerdings noch unsere Bremsen checken lassen. Dann geht's in die Berge!