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Spiegelstadt

14. Juni 2003

Heute haben wir die 300 Kilometer nach Calgary ganz laessig zurueckgelegt. Wieder sind wir fast ausschliesslich durch sanft gewellte, gruene Praerie gefahren. Einmal haben wir angehalten und sind ein kurzes Stueck einem Feldweg gefolgt und ausgestiegen, um einmal auszuprobieren, wie das so ist, auf einer endlosen Ebene zu stehen und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. So einen Blick hat man nicht alle Tage. Da juckt es einen foermlich, auf ein Pferd zu steigen und in der Sonne entgegen zu reiten. Und das obwohl ich noch nie geritten bin! Ich gebe ja zu, dass ich Karl-May-geschaedigt bin, aber die Landschaft lies wirklich erwarten, dass gleich eine Herde Bueffel, die von Indianern gejagt wird, vorbeidonnert. Und die ganze Zeit ging mir die Winnetou-Melodie nicht aus dem Kopf...mh mh mmmmmh mh mh mmmmmmhhhhhhhhhhh

Wie dem auch sei. Aus ungefaehr 50 Kilometer Entfernung sieht man, wie sie sich die Hochaeuser der Stadt aus der nun immer huegeliger werdenden Ebene erheben. Gleichzeitig kann man in noch viel groesserer Entfernung die ersten schwachem Umrisse der Rocky Mountains erkennen. Unser erster Blick auf die Rockies! Das macht uns mal wieder bewusst, welche Strecke wir schon zurueckgelegt haben. Auf einigen Gipfeln war sogar Schnee zu erkennen.

Schon bei der Einfahrt nach Calgary waren wir beeindruckt. Downtown entpuppt sich als kleines, aber feines Miniatur-Manhatten. Lauter modernste Hochhaeuser mit Spiegelfassaden, streben in den blauen Himmel. Da wir mal etwas anderes probieren wollten, haben wir ein paar Bed & Breakfast-Unterkuenfte angerufen. Aber wir haben einfach kein Glueck mit alternativen Unterkuenften. Entweder war keiner da, oder es war kein Zimmer frei. Die Jugendherberge hat natuerlich wieder nur Betten in Schlafsaelen. Also sind wir wieder auf einer der Hauptstrassen aus Calgary herausgefahren und haben uns ein Motel gesucht. Schade.

Danach sind wir den ganzen Nachmittag und Abend in Calgary herumgelaufen. Hier stimmt wirklich alles. Eine schoene Fussgaengerzone mit Cafes, ein kleines Chinatown mit unglaublichen vietnamesischen Suppen, ein Fluss mit Promenaden auf beiden Seiten, eine Insel mit Park, in dem gerade ein karibisches Fest stattfindet und eine Klippe, von der man eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt hat. Wenn sich dann noch die Abendsonne in den Hochhausfassaden spiegelt huepft uns Staedter-Herz. Wir werden uns auf jeden Fall noch morgen in der Stadt herumtreiben, bevor wir in die Berge fahren.

Um mal einen Eindruck zu geben, welche Temperaturen hier herrschen, sei gesagt, dass wir heute mit Sandalen und kurzen Hosen unterwegs waren. Zwar ist Abends wieder ein Pullover angebracht, aber dennoch betrachten wir den Sommer jetzt als engueltig ausgebrochen.