Durch das Land des lebendigen Himmels |
12. Juni 2003
Kanada - unendliche Weiten... Heute haben wir an einem Stueck die knapp 600 Kilometer nach Regina (sprich Rietscheina) zurueckgelegt. Kirsten ging es wieder besser. Allerdings begann unser Tag mit einem Schock, der mal wieder belegt, welch ahnungslosen Gesellen wir sind, was die Technik eines Autos betrifft. Als die Hotelrechnung bezahlt und endlich alles eingepackt war, wollte ich das Auto starten und - es ertoente nur ein klackerndes Geraeusch anstatt des ueblichen lieblichen Grollens, mit dem unser Jeep sonst anspringt. Wir schauten uns an und sahen beide dem anderen folgendes auf die Stirn geschrieben: "Scheisse, verdammt! Ich habe nicht die geringste Ahnung, was kaputt sein koennte. Sicher ist es etwas Kompliziertes und es kostet mehr als wir fuer den Jeep gezahlt haben und wir muessen noch weitere 5 Tage in Winnipeg bleiben und alle Motelangestellten lachen uns aus und..." Mit wenig Hoffung oeffneten wir die Motorhaube. Der Motor sah...gross aus, tja sonst liess sich eigentlich nichts dazu sagen.
An dieser Stelle sei erwaehnt, dass wir uns in der Naehe von Montreal von einem Tankwart erst zeigen lassen mussten, wo man nach dem Oel schaut, wobei er uns ausserdem glaubhaft versicherte, dass es zwei verschiedene Oelkreislaeufe gibt und wir ein Extra-Oel fuer die Automatische Gangschaltung benoetigen. Vielleicht ist das allen Leuten mit Automatik voellig klar. Uns war das jedenfalls voellig neu. Ein zweiter Messstab ueberzeugte uns davon, dass der Tankwart uns nicht veraeppeln wollte. Soviel zu unserem Verhaeltnis zur Automechanik.
Voller Verzweiflung gingen wir zum Empfang zurueck und baten um einen Anruf beim CAA, was bei uns der ADAC ist. Dann tauchte aber rechtzeitig der Hausmeister auf und nahm sich des Problems an. Er tippte gleich auf die Batterie und da fiel es uns wie Schuppen aus dem Hirn. Wir hatten vor zwei Tagen manuell die Innenbeleuchtung angeschaltet und natuerlich vergessen, sie wieder auszuschalten! Mit ein bisschen Starthilfe vom Auto des Hausmeisters ging es dann sofort. Ich haette ihn am liebsten geknutscht. Erleichtert begannen wir unsere Fahrt nach Regina.
Kanada - unendliche Weiten... Das Land ist hier so platt wie ein Pfannenkuchen, die Ausblicke gewaltig, der Himmel ueberwaeltigend. Wenn uns jemand fragen wuerde, was fuer ein Wetter wir auf der Fahrt hatten, muessten wir fragen: In welcher Richtung? Oder wir wuerden gleich antworten: Alle Wetter! Man muss sich das vorstellen. In alle Richtungen ein Blick bis zum Horizont, nur selten durch einige Baumgruppen versperrt und dann der Himmel darueber. Man hat das Gefuehl, die Welt besteht nur aus Himmel, darin die unglaublichsten Wolkengebilde, Wolken auf mehrern Etagen, unten die dunklen, regenfetten, dann die bauschigen, weissen Tuerme und darueber Schaefchenwolken oder zerrissene Schleier. Und waehrend man faehrt verschieben sich die Etagen gegeneinander. Dann links ein Regenvorhang, der Falten zu werfen scheint. Dahinter scheinen wieder andere Wolken in blauem Himmel hindurch. Wir schliessen Wetten ab, ob wir Regentropfen abbekommen, weil die Strasse genau an den letzten Auslaeufern des Vorhangs vorbeizufuehren scheint. Dann fahren wir zwischen zwei Regenschauern hindurch und das Land um einen herum ist abwechsenld sonnenbeschienen oder im Schatten. Unglaublich. In der Provinz, in der wir uns jetzt befinden, haben sie auf ihrem Nummernschild den Spruch: "Saskatchewan, land of the living skies". Lebendiger Himmel, das trifft es exakt.