Temperaturschwankungen |
05. Juni 2003
Heute haben wir in aller Fruehe unser Kellerzimmer verlassen. Kellerzimmer deshalb, weil die es geschafft haben, in einem ebenerdigen Motelzimmer, das einzige Fenster so hoch anzubringen, dass man das Gefuehl hatte in sich einem Kellerzimmer mit Oberlicht zu befinden. Aber inzwischen sind wir Motelzimmer-gestaehlt und stellen so etwas nur noch kopfschuettelnd oder leicht amuesiert fest. Inzwischen koennten wir wohl fast ueberall eine Nacht verbringen. Eine Jugenherberge gibt es hier auch, aber die kostet fast so viel wie ein guenstiges Motel und liegt nicht besonders guenstig. Also hatten wir uns wieder fuer die Motel-Variante entschieden.
Jetzt muss ich das Wetter mal ausdruecklich loben. Heute war wieder ein durchweg sonniger Tag, mindestens der fuenfte Tag in Folge. Die Temperatur haengt aber immer extrem davon ab, wo man sich befindet. Heute auf unserer Wanderung durch den Sleeping Giant NP haben wir wieder die ganze Bandbreite zu spuehren bekommen. Das sieht dann ungefaehr so aus, dass man bei der Anfahrt im Auto dermassen ins Schwitzen geraet, dass man sich am liebsten alle Kleider vom Leib reissen wuerde. Beim Aussteigen blaest dann ein so scharfer Wind, dass die Hosenbeine wieder an die Trekking-Hose geheftet werden und ein Hemd uebergezogen werden muss. Trotz unglaeubigem Zweifeln ist ein Pullover absolut unverzichtbar und wird um die Huefte geschlungen. Rucksack auf, Wanderschuhe an und los geht's. Wie immer geht es erstmal durch dichten, schattigen Wald und nach 500 Meter wird der Pullover angelegt. Nach weiteren 2 Kilometern bleibt ploetzlich der Wind weg, die Temperatur steigt abrupt um 10 Grad. Pullover wieder aus, weiter geht's. Unterwegs muss dann noch das Hemd aufgeknoepft werden. Am Ziel, einer weitlaeufigen Bucht, angekommen, werden sofort Schuhe und Struempfe, Hemd und T-Shirt ausgezogen und die Hosenbeine entfernt. Nach kurzer Zeit zieht man das T-Shirt wieder an, denn, richtig!, der Wind frischt auf. Auf dem Rueckweg fuehlten wir uns dann richtig durchgebraten und waren nicht nur von den immerhin 14 Kilometern, die wir heute zurueckgelegt haben, fix und fertig.
Heute sind uns auf dem Weg sogar Leute begegnet. Unverschaemtheit, wir wollten uns schon bei Visitors Center beschweren. Trotzdem war es in der Bucht so still, dass keine 100 Meter weiter zwei Rehe aus dem Wald kamen, um einen Schluck aus dem See zu nehmen. Auf dem Rueckweg stand dann auf einmal ein Stachelschwein mitten auf dem Weg und sah uns misstrauisch entgegen. Wir blieben fasziniert stehen und so starrte wir uns gegenseitig an. Unschluessig verharrte das Stachelschwein und erst als wir vorsichtig ein paar Schritte naeher kamen, raeumte es, nicht ohne Straeuben der eindrucksvollen Stacheln, den Weg.
Da wir immer noch keine Isomatten haben und wir uns auf dem einsamen Campingplatz sowieso in der Nacht in die Hose machen bei so vielen "wilden" Tieren (Immerhin gibt es Schwarzbaeren hier, die "eigentlich" keine Menschen angreifen...eigentlich.), sind wir wieder nach Thunder Bay gefahren. Die Stadt ist wirklich ganz nett und wir haben jetzt so ziemlich das Gegenteil unseres Kellerzimmers. Im fuenften Stock des ueberraschend guenstigen Shoreline-Motels ueberblicken wir die Marina. Zwar fuehrt unten eine Bahnlinie vorbei und an der Ecke scheint ein Treffpunkt fuer Stadtbusse zu sein, aber was soll's. Wir haben die Abendsonne auf dem Gemeinschaftsbalkon trotzdem genossen.