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Trans Canada

03. Juni 2003

Heute haben wir es aufgegeben, noch laenger zu warten. Der Postman kam heute schon um 10:00 Uhr, aber unsere ersehnten Papiere waren wieder nicht dabei. Wir sind mittlerweile recht zuversichtlich, dass inzwischen alle Motelangestellten wissen, dass wir auf Post warten und haben vereinbart, regelmaessig anzurufen, um zu erfahren, ob es endlich angekommen ist. Sie haben uns versichert, die Post dann per Purolater (das ist ein alternativer Anbieter wie UPS) zu schicken. Die sollen das dann tatsaechlich von einem Tag auf den anderen schaffen. Hoffen wir mal, dass das stimmt.

So haben wir also unseren Jeep gepackt und haben uns auf dem Trans-Canada-Highway weiter nach Westen gemacht. Wenn wir bisher gezweifelt haben, uns in Kanada zu befinden, dann hat uns diese Fahrt heute eines Besseren belehrt. Schon nach kurzer Zeit wurde die Landschaft huegeliger und das Ufer des Lake Superior zerkluefteter. Wenn die Strasse vom Ufer wegfuehrte, tauchten immer wieder tiefblau funkelnde Seen rechts uns links auf. Der Himmel war fast wolkenlos und die Sonne brannte mit ordentlicher Kraft vom Himmel

Mitten im Lake Superior Nationalpark machten wir dann Halt und schlugen uns fuer einen 8 km-Trail in den sonnengetupften Wald. Nach der Haelfte der Strecke erreichten wir, diesmal zu Fuss, das Ufer des groessten Suesswassersees der Welt. Der Strand war gaenzlich mit bunten Kieselsteinen bedeckt und wir liessen uns zu einer Rast nieder. Ich wagte mich fuer ein paar Schritte ins Wasser. Mit krebsroten Fuessen musste ich nach kurzer Zeit das Experiment abbrechen.

Man muss sich das vorstellen: Da sitzt man auf Kieselsteinen bequem an einem See und keine Menschenseele weit und breit. Hinter sich frischen gruenen Mischwald mit vielen weissen Birkenstaemmen und vor sich Wasser, Wasser, Wasser, das irgendwo ganz hinten unmerklich in Himmel uebergeht. Dann stutzt man. Irgendetwas stimmt nicht. Man schliesst die Augen und dann faellt einem ploetzlich ein, was fehlt. Es gibt keine Brandung. Keine Geraeusche. Der ganze riesige See plaetschert nicht lauter als Wasser in einer Badewanne, wenn man sich traege darin bewegt. Ab und zu kollert ein Kiesel, weit entfernt rufen Gaense, das war's. Sogar die Muecken liessen uns in Ruhe, was sonst selbst das Insektenspray nicht ganz schafft. Grandios! Wirft man nach einer Zeit aus lauter Uebermut einen Kieselstein ins Wasser, ertoent ein Glucksen, das in dieser Umgebung wie ein Donnerschlag wirkt. Kirsten und ich sind so begeistert, dass wir immer wieder auf die Landschaft rundherum zeigen und stolz behaupten: "Kanada".

Um noch ein paar Kilometer zu fressen, sind wir nach unserer Tour noch eine ganze Weile gefahren. Das Schoene ist, dass die Sonne hier momentan erst um 21:00 Uhr untergeht. Weil wir auf das Touristenkaff Wawa kurz nach dem Nationalpark keinen Bock hatten, sind wir nach White River weitergefahren. Das ist eine ziemlich liebloser Ortschaft am Trans-Canada-Highway. Das Motel hat auch schon bessere Zeiten gesehen, aber die Tavern, in der wir gegessen haben war ganz nett. Das hier ist so ein Ort, in dem die Trucker auf ihren langen Wegen Halt machen, und so fanden wir eigentlich nichts dabei, uns mit zwei Flaschen Bier bewaffnet vor unser Zimmer zu setzten und auf den Highway zu gucken. Auch eine Art, sich am Abend zu beschaeftigen...