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Ein blinder Passagier

26. Mai 2003

Die Touren gestern haben uns so erschoepft, dass wir heute wieder etwas ruhen muessen. So sitzen wir also wie zwei Achzigjaehrige in unseren Sesseln und schauen auf den See hinaus. Dieser Ausblick ist definitiv Kanada, so unverwechselbar, wie man es sich immer vorgestellt hat. Vielleicht werden wir uns spaeter noch zwei Kajaks mieten, vielleicht schauen wir auch weiterhin einfach auf den See...

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Wir haben uns tatsaechlich noch dazu aufraffen koennen, zwei Kajaks zu mieten. Dabei kam es zu folgendem Zwischenfall, der erfunden klingt, aber wirklich so passiert ist. Ohne es zu wissen, hatte ich naemlich einen blinden Passagier an Bord.

Nachdem wir etwa 20 Minuten gepaddelt sind spuehre ich eine Bewegung an der Kniekehle. Ich habe die Hose so weit hochgekrempelt, weil die Sonne scheint und es sehr warm ist. Ich fasse an die Stelle und denke "Oh, das fuehlt sich etwas zu dick an, als dass es nur die hochgekrempelte Hose sein koennte". In diesem Moment denke ich noch, es waere irgendetwas in einer der vielen Taschen der Hose, ein Taschentuch oder so. Ich knete also an der Hose herum und bringe...einen Frosch zum Vorschein!!! Mit einem Satz springt er vor mir ins Boot, woher er wohl auch gekommen ist. Scheinbar hat das abstehende, halb hochgekrempelte Hosenbein wie eine Hoehle fuer ihn ausgesehen. Er kriecht von mir weg und hat wahrscheinlich mindestens so grosse Angst wie ich. Ich bruelle etwas wie "Argh! Ich haben einen Frosch im Boot!". Kirsten kann es nicht fassen. In Rekordzeit erreiche ich einen Steg und springe aus dem Kajak. Nach ein paar Versuchen, schaffe ich es, den Frosch mit dem Paddel aus dem Boot zu komplimentieren. Dann macht sich die Panik in prustendem Gelaechter breit.

Ich hatte noch Glueck. Haette ich schon bei der Bewegung im Hosenbein geahnt, was dort zum Vorschein kommen wuerde, waere ich wohl aufgesprungen und natuerlich sofort gekentert. Dann haettet wir allerdings hinter noch mehr zu Lachen gehabt.

Nachdem wir gegessen hatten (Nudel in Tomatensauce und Salat, was sonst?), haben wir noch einen kleinen Spaziergang unternommen und uns dann auf den kleinen Bootssteg gesetzt. Ein freundlicher Mensch hat dort ganz an das Ende eine Bank hingestellt. Die Abendstimmung ueber dem See ist unbeschreiblich friedlich. Da das fast voellig glatte Wasser den Himmel spiegelt, hat man das Gefuehl, da wo der Steg endet, ist die Welt zuende. Es sieht fast so aus, als wuerde man im Himmel sitzen...