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Kreisverkehr und Fangorn

25. Mai 2003

In einem Anfall von Bewegungsdrang haben wir uns gestern Abend kurzerhand ein Kanu geliehen. Da das Motel direkt am See liegt hat es natuerlich fuer seine Gaeste ein paar Boote parat. Wir fragten kurz und die Antwort lief darauf hinaus, dass wir uns einfach selbst bedienen sollten. So zogen wir also zwei Schwimmwesten an, griffen uns Paddel und wuchteten ein Kanu ins Wasser. Nach gelungenem Einstieg ging es los...im Kreis. Erst kichernd, dann zunehmend genervt stellten wir fest, dass es alles andere als einfach war, mit diesem verdammten Ding einfach nur geradeaus zu fahren. Nachdem wir ein paar Kreisel gedreht hatten, erbarmte sich unser Vermieter und kam an den Steg gelaufen, um gut gemeinte Anweisungen zu schreien. Eine davon lautete, dass wir doch zu ihm fahren sollten, damit er es uns zeigen koenne. Ha, koennen vor lachen, genau darin lag ja das Problem. In seiner Verzweiflung ueber unser Unvermoegen, griff er sich schliesslich selbst ein Kanu und kam mit zwei, drei schnellen Zuegen zu uns rausgepaddelt. Das sah so einfach und elegant aus, dass wir frustriert die Paddel haengen liessen. Nach ein paar Einweisung hatten wir es einigermassen begriffen und eierten ueber den See. Herrlich, selbst bei diesem diesigen Wetter war es einfach nur schoen. Nach kurzer Zeit taten uns die Arme weh und wir eierten zufrieden zurueck.

Heute sind wir dann in den Park eingefahren und haben verschiedenen Wanderungen unternommen. Das Wetter aenderte sich heute mehrfach und so trauten wir uns nicht, eine Kanutour zu unternehmen. Wenn der Awenda Nationalpark ein Elbenwald war (Kennern des Herr der Ringe wird sicher das Stichwort "Lorien" etwas sagen), dann ist der Wald im Algonquin ein Entwald (Ja, genau: "Fangorn"). Die knorrigen Baeume stehen so dicht, dass es ganz duester unter ihnen ist. Man geht ueber federnden, von Nadeln bedeckten Waldboden, aus dem ueberall Baumwurzeln hervorquellen und erwartet unwillkuerlich, von ihnen ein Bein gestellt zu bekommen. Teilweise ist es moorig feucht und staendig muss man voellig verschlammte Pfadabschnitte umgehen. Dann wieder oeffnet sich unvermutet ein Bick auf einen See, der so glatt ist, dass er den Himmel perfekt spiegel. So perfekt, dass einem, wenn man eine Weile hinstarrt, schwindlig wird, weil man nicht mehr weiss wo oben und unten ist. Wunderschoen.

Die laestigen Muecken haben wir mit einem Mueckenspray einigermassen in Schach halten koennen. Das ist halt der Nachteil von so viel Wasser und Wasser hat es hier tatsaechlich mehr als genug. Hier soll es Kanustrecken von insgesamt ueber 250 Kilometer geben. Wir haben schon so viele Seen und Fluesse und Wasserflaechen, die irgendwie beides sind, gesehen, dass wir das nachvollziehen koennen. Wann das Wetter mitspielt, werden wir morgen einen Bruchteil davon erkunden.

Kritische Elche haben wir auch schon gesichtet. Immer wenn ein Elch von der Strasse aus sichtbar ist, bleibt jeder mit dem Auto stehen und es entsteht ein Riesenaufruhr. Trotzdem habe ich sogar einen fotografieren koennen. Nach kurzer Zeit wird den Elchen das Getue aber zuviel und sie ziehen sich wieder in den Wald zurueck. Vermutlich um weitere kontroverse Diskussionen ueber das Elchsein an sich zu fuehren.