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Keine Pommes mehr

23. Mai 2003

Reisen ist ja so anstrengend... Heute mussten wir uns schon wieder ausruhen und sind deshalb noch einen zweiten Tag in Midland geblieben. Erst einmal haben wir einen ganzen Haufen Filme entwickeln lassen und den halben Tag mit Beschriften verbracht. Die Abzuege sind erstaunlich gut. Nach einem ziemlichen Reinfall in einem Fotogeschaeft geben wir die Filme gnadenlos nur noch bei Wal-Mart oder aehnlichen Maerkten ab. Die Qualitaet ist sowieso Glueckssache, dann soll es wenigstens billig sein. Die Kanadier fotografieren ihre Kinder uebrigens beim Fotografen im Jogginganzug, aber das nur so nebenbei. Wir haben neben den digitalen Bildern schon jetzt 16 Filme verknipst. Die Niagarafaelle erwiesen sich als echte Beschleuniger. Da konnte man sich ja auch einfach nicht satt sehen. Wenn wir nicht gleich alles beschriften, vergessen wir doch sofort, wo dieses oder jedes Foto gemacht wurde.

Da im Reisefuehrer ein Imbiss mit Fish and Chips empfohlen wurde, haben wir am Mittag Fish and Chips geholt. Es war schrecklich. Vielleicht haben wir einfach genug von all dem Fett. Die Haelfte des fetttriefenden, dick panierten Fischs und der labberigen Chips haben wir weggeschmissen. Dann haben wir uns sofort panisch die Turnschuhe uebergezogen und sind Joggen gegangen, um die ueberfluessigen Kalorien zu verbrauchen. Da sich das Motel in der Naehe eines der 14(!) Parks dieses Ortes befindet, haben wir gleich eine schoene Strecke gefunden. Dann haben wir uns geschworen, ab jetzt mindestens dreimal die Woche Salat zu essen und mindestens eine Woche keine Pommes.

Den Rest des Tages haben wir auf dem Motelbalkon verbracht. Der Motelbesitzer war ganz erstaunt, dass wir ein Zimmer im 1. Stock wollten. Die meisten wuerden Zimmer im Erdgeschoss bevorzugen, weil sie mit ihrem Auto direkt davor parken koennen und ihren Arsch nicht zu weit bewegen muessen. Ausserdem ist es wohl verboten, bei Sonne draussen zu sitzen und wenn, dann ist es doch richtig nett, mit seinem Stuhl auf einem Parkplatz den Kopf in Hoehe des Kuehlergrills zu sitzen. Die spinnen die anderen Touristen... Da ist es doch offensichtlich schoener, im ersten Stock quasi einen Balkon fuer sich zu haben, auch wenn er gleichzeitig als Zugang zu den Zimmer benutzt wird. Manchmal kann man nur den Kopf schuetteln.

Uebrigens muss ich jetzt etwas sagen, was den Kanadiern bestimmt nicht gefallen wird. Bisher koennen wir beim besten Willen keinen Unterschied zwischen Kanada und USA feststellen. Mag sein, dass sie Leute eine Nuance weniger quasselfreudig sind, aber das ist auch schon alles. Die Ortschaften die riesigen Shopping-Malls und Parkplatzwuesten vor den Ortschaften, die Laeden, die Produkte, die Landschaft...manchmal vergessen wir glatt, dass wir jetzt wieder in Kanada sind. Nicht einmal von der Sprache her ist ein Unterschied fuer uns zu hoeren, was allerdings auch daran liegen mag, dass die meisten Motelbesitzer hier aus Asien stammen und einen noch staerkeren Akzent besitzen als wir.