Elbenwald |
22. Mai 2003
Heute haben wir unsere Reisemuedigkeit mit einer ordentlichen Portion Natur bekaempft. Von Barrie aus war es nicht weit zur Georgian Bay einer Bucht des grossen Lake Huron. Der ist so gross, dass selbst der Lake Ontario zweimal reinpasst und Teile davon schon eigene Namen tragen, wie eben die Georgian Bay.
Unser erster Stop fuehrte uns zum Wasaga Beach, wo uns goldgelber Sand versprochen war. Aber das haetten wir uns sparen koennen. Direkt am Strand ein McDonalds, der geschlossen war und uns auf diese Weise wieder einmal ultimativ vor Augen fuehrte, wie weit ausserhalb jeglicher Saison wir hier sind. Schon mal einen geschlossenen McDonalds gesehen? Ich vorher noch nicht. Naja, der Strand selbst, war plattgewalzt wie ein Parkplatz und das Wasser sah aus, als sei es noch hundert Meter vom Ufer entfernt nur knoecheltief. Eindeutig kein Highlight unserer Reise.
Dafuer erwartete uns dann der Awenda Provincial Park. Der klingt nicht nur wie aus dem Herr der Ringe, der ist auch genauso schoen. Eine Wanderung fuehrte uns um einen See durch einen lichten Laubwald, dessen Baeume mit frischen gruenen Blaettern raschelten. Der Waldboden war noch bedeckt vom Laub des letzten Herbsts, durch das schon neues Gruen spross, das teilweise weiss bluehte und damit ganz ausgezeichnet zu den vielen Birken passte. Darueber ein hellblauer Himmel und keine Sau weit und breit. Ab und zu raschelt es im Laub und man sah Streifen-, Eich- oder sonstige -Hoernchen davon huschen (Vielleicht auch die ein oder andere Elbe...) und die Voegel sangen. Waeren uns Arwen und Aragorn auf schneeweissen Pferden entgegengekommen, haetten wir uns kaum gewundert.
An einer Stelle war eine Holzplattform ans Ufer gebaut, auf der einige Baenke standen, die wir sogleich fuer
eine Jause nutzten. Nach einer Weile ungestoerten Schmausens von Kaese, Brot und Aepfeln hoerten wir
ploetzlich Laerm. Dann kamen fuenf Asiaten vom Parkplatz in der Naehe und gesellten sich zu uns auf die
Plattform. Etwas verblueffendes geschah: Einer der Asiaten sprach uns genauso an, wie uns ein Kanadier
angesprochen haette: Fragte uns woher wir kaemen, war selbst natuerlich schon einmal in Frankfurt...das
Uebliche eben, nur dass man es nicht von einem Asiaten erwartete. Schnell wurde uns klar, dass wir ein Opfer
unserer Vorurteile geworden waren. Wir hatten in Wirklichkeit Kanadier vor uns, eben asiatischstaemmige
Kanadier, die so assimiliert waren, dass sie sich schon wie Kanadier verhielten. Ich fragte dann auch, woher
sie kaemen und sie meinten, sie kaemen aus Toronto. Da gefror uns das Laecheln dann doch etwas auf den
Lippen. Bei asiatisch aussehenden Leuten aus Toronto wird man doch immer noch etwas nervoes, so
ungerechtfertigt das auch ist.
Wie sich herausstellte, hatte einer der Kanadier Geburtstag und sie hatten eine kleine Torte und eine Flasche
Sekt dabei. Ich musste natuerlich noch eine Foto von ihnen machen. Dann verabschiedeten wir uns.
Am Ende des Rundgangs sah der goldgelbe Sand am Ufer des Sees so einladend aus, dass wir Schuhe und Struempfe auszogen und unsere Fuesse unter Kaelteschmerzen ins Wasser streckten. Ich wartete auf Fische, aber Kirsten meinte, die waeren sicher alle vor meinen Fuessen auf die andere Seite des Sees geflohen. Es zeigte sich zwar tatsaechlich kein Fisch, aber ich halte das fuer uebertrieben.
Nun machen wir in Midland Station und haben einen Abendspaziergang am Hafen gemacht. Midland an der Midland Bay, einem Seitenzweig des Georgian Bay, einem Seitenzweig des Lake Huron...ist hier eben alles ein wenig groesser.