Nass und gluecklich |
18. Mai 2003
Der heutige Tag bildet ganz sicher einen der Hoehepunkte unserer Reise. Heute morgen sind zunaechst wir mit den McGoldricks auf Hausbesichtigung gegangen. Jedes Jahr gibt es eine Art "Tag der offenen Tuer" in dem Stadtteil, in dem sie wohnen, und einige Hausbesitzer oeffnen ihre Haeuser dem Publikum. Man kauft sich ein Ticket und bekommt einen Plan, mit den Haeusern, die dieses Jahr im Programm sind. Auf diese Weise hatten wir Gelegenheit, einige Haeuser, die wir vorher nur von aussen bewundern konnten, auch einmal von innen zu sehen. Alle Haeuser sind etwa um die Jahrhundetwende gebaut und am ehesten mit den schmucken Villen aus dem Frankfurter Westend zu vergleichen, mit dem Unterschied, dass sie tatsaechlich aus Holz gebaut sind. Die vermeintliche Holzverkleidung ist also gar keine Verkleidung. Die Haeuser sind wirklich Holzhaeuser mir knarrenden Holzboeden und meist in passendem Stil eingerichtet. Manchmal hatte man fast das Gefuehl in Museen einzutreten. Das war allles sehr faszinierend.
Nach einem kurzen Imbiss mit zwei Sorten Eiscreme zog es uns dann weiter und wir verabschiedeten uns von Jim und Rita, die diese 1 1/2 Tage so gut fuer uns gesorgt haben.
Wieder fuhren wir zu den Niagarafaellen und konnten sie diesmal von der amerikanischen Seite aus bei strahlendem Sonnenschein bewundern. Es ist aehnlich wie beim Grand Canyon: Es verschlaegt einem einfach die Sprache. Diese Farben, dieser Kontrast zwischen dem teilweise friedlich dahin plaetscherndem Wasser ganz kurz vor dem donnernden, gewaltigen Sturz in den Tiefe. Wir konnten uns einfach nicht satt sehen. Die amerikanischen Faelle werden an einer Stelle durch eine schmale Landzunge geteilt, die bis an die Abbruchkante reicht, und auf der man ganz vorne, nur durch ein laecherliches Gelaender vom Abgrund getrennt, stehen kann. Dort meint man das Wasser fast greifen zu koennen, bevor es einen Meter weiter vorn ueber die Kante schiesst. Man steht quasi ueber dem Wasserfall und sieht das Wasser rechts und links vorbeischiessen. Unglaublich. Viele der Leute, die dort stehen und aus aller Herren Laender kommen, empfinden dieses Schauspiel aehnlich ergreifend und man muss sich wundern, dass es nicht zu spontanen Verbruederungsszenen kommt.
Aber damit nicht genug. Wir liessen uns natuerlich auch die "Cave of the Winds"-Tour nicht entgehen. Dazu muss man wissen, dass man einen Fahrstuhl von der Abbruchkante zu ihrem Fuss gebaut hat und man von dort aus, auf Treppen und Plattformen bis fast unter den Wasserfall gehen kann. Natuerlich ist es dort ausserst feucht. Deshalb bekommt man vorher ein Regencape und Badeschlappen. Seine Schuhe und alle anderen Sachen kann man abgeben und dann geht es los. Unsere Gruppe war international zusammengesetzt, aber jeder sah in dem gelben Regencape gleichermassen daemlich aus. Dann trotteten wir einem Fuehrer hinterher und kamen dem Tosen immer naeher, bis man sein eigenes Wort sicht mehr verstand. Dazu spruehte es von allen Seiten und ein heftiger Wind wehte und zerrte an den Regecapes. In der Gischt bildete sich dann auch noch ein doppelter Regenbogen und ich habe fast einen Anfall bekommen, weil ich mich nicht getraut habe, meinen Foto mitzunehmen. Aber das Foto haette mir eh keiner abgenommen. An einer Stelle, dem "Hurricane Deck", trifft das Wasser im Fall fast eine der Plattformen. Dort kann man sich nur ganz kurz aufhalten und trotz Regecape wird man nass. Die unmittelbare Naehe laesst einem die Gewalt dieser Wassermassen erst richtig spueren.
Nass und gluecklich schauten wir uns dann noch den Sonnenuntergang an und trabten dann nach Hause in unser Motel.