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Die dicken Auspueffe der anderen

10. Mai 2003

Gestern Abend haben wir uns noch zum Shoppen in der 1000-Islands-Mall aufgerafft. Die Maekte sind hier wie in den USA immer etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Eine riesige 4- bis 6-spurige Strasse fuehrt daran entlang und es wimmelt von Autos, die kreuz und quer fahren. Fuer unsereins ist das immer etwas unuebersichtlich. Auf den riesigen Parkplaetzen, die teilweise miteinander verbunden sind, findet man sich dann gar nicht mehr zurecht. Ungeschrieben Regeln, die wir nicht kennen, regeln den Verkehr und wir machen dauernd etwas falsch. Dazu kommt, dass wir mit amerikanischem Kennzeichen vielleicht sowieso beliebtes Ziel von Spott sind. Vielleicht sollten wir ein grosses "D" auf unseren Jeep pappen. Jedenfalls ist alles so grosszuegig angelegt, dass man selbst vom Supermarkt zum daneben liegenden Getraenkehandel mit dem Auto fahren sollte. Laeuft man stattdessen, schauen einen alle komisch aus ihren Autos an und laecheln mitleidig.

Als uns unbaendiger Hunger ueberfiel, machten wir bei einer Pizzeria halt und bestellten Lasagne und Rigatoni. Dann fuhren wir zum Hafen, stellten uns wie viele andere mit dem Auto so hin, dass wir auf den Fluss blicken konnten und stopften das Essen ins uns rein. Aussteigen und frische Luft schnappen oder gar einen Spaziergang machen ist bei dieser Uebung aus unerklaerlichen Gruenden scheinbar verboten. Es sei denn man besitzt einen Hund, dann gibt es ja einen Grund dafuer. Die Nudeln waren gar nicht mal so schlecht. Nur, dass die Kanadier genau wie die Amerikaner keinerlei Talent beim Wuerzen besitzen. Beide Gerichte schmeckten schwach nach Tomatensosse, das war aber auch schon alles. Aber wir hatten Hunger und so war uns das egal. Am Abend wird der parkartig angelegte Hafen mit den vor Anker liegenden weissen Motorbooten zu einem Parcours fuer das Schaulaufen der einheimischen Jugend. Mit moeglichst laut droehnenden Motoren und dumpf wummernden Baessen faehrt man immer wieder im Kreis, haelt mal kurz an, schreit sich ueber den Laerm hinweg an, bewundert den dicken Auspuff des anderen und beschliesst, ins eigene Auto einen noch dickeren einzubauen und startet zur naechsten Runde. Wir amuesierten uns und hoerten kurz vor dem Platzen mit dem Essen auf. Dann warteten wir noch, bis die Bugwelle vorbeikommenden Schiffes an die Kaimauer klatschte und fuhren Heim.

Heute ist wieder ein sonniger Tag und wenn das Wetter haelt, machen wir eine Bootsfahrt. Bis dahin sonnen wir uns und werden noch einen Tag hier bleiben. Die Regierung hat beschlossen, eine der vielen Steuern, die auf alle Preise noch aufgeschlagen werden, zur Ankurbelung des Tourismus nach der SARS-Flaute fallen zu lassen. Wir begruessen das natuerlich.

 

Die Tour waere mangels Beteiligung fast ausgefallen. Im letzten Moment erschienen noch fuenf Gestalten und so fuhren wir mit fast leerem Boot raus. Es war nur eine kurze Tour, die uns zu den oestlichen Auslaeufern der Thousand Islands fuehrte. Die meisten Inseln sind in Privatbesitz und haeufig stehen wunderschoene Haeuser darauf. Es gibt sie in allen Groessen, manchmal passt das Haus gerade so drauf, auf anderen sind fast kleine Siedlungen zu sehen. Wieder andere Inseln sind naturbelassen, felsig, mit ein paar Baeumen, mehr nicht. Es hat sich gelohnt, obwohl warscheinlich der Hauptteil der Inseln weiter westlich liegt. Aber da fahren wir dann morgen hin.
Uebrigens muss ich mich korrigieren. Nicht nur am Abend wir am Hafen "gecruised" und mit dicken Auspueffen geprotzt. Vermutlich geht das das ganze Wochenende so. Als wir auf die Tour warteten, hoeren wir so einige Autos vorbeifahren, die eher wie Harleys klangen. Drin sitzen dann gefaehrlich blickende Jungs oder kreischende Maedels. Wenn's Spass macht...