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Bostoner Entdeckungen

20. April 2003

Jetzt haben wir uns weitere zwei Tage die Stadt angeschaut und muessen ehrlich zugeben, dass diese Stadt ihren Reiz hat. Zwar kann man eigentlich nicht sagen, dass Boston am Meer liegt, dazu wendet sich die ganze Stadt zu sehr vom Meer ab, aber die relativ alten Haeuser ueberall und im Kontrast dazu die Hochhaeuser von Downtown, krumme Strassen(!), nette Parks und Kirchen mit spitzen, weissen Kirchtuermen das hat schon was. Soweit wir gesehen haben ist die ganze Bostoner "Kueste" allerdings ein einziger grosser Industriehafen. Ganz nett ist das Ufer des Charles River angelegt, obwohl an einigen Stellen die Hauptautobahn direkt daran entlangfuehrt. Das ist dann so, als liefe oberhalb des Museumsufers die A3 vorbei. Nicht alles ist also schoen. Oft sehen die Bruecken, U-Bahn-Stationen und Gebaeude aus, als haette man sie einfach so hingerotzt, was vermutlich auch der Fall ist.

Die Leute hier sind bisher alle sehr freundlich gewesen. Der Bostoner ist hilfsbereit und geduldig. Eine Unart ist jedoch das Nachschleichen. Das muss ich naeher erklaeren: Der Bostoner laeuft genauso wie er Auto faehrt. Ruhig, gleichmaesig, nicht zu schnell, nicht zu langsam schreitet er paludernd dahin. Laeuft er dabei auf jemanden auf, so ueberholt er nicht gleich, sondern passt sein Tempo an. Das sieht dann so aus, dass von hinten Leute aufholen, aber dann nicht ueberholen, sondern man das Gefuehl hat, die reden einem direkt ins Genick. Wir finden das beide voellig irritierend und fuehlen uns spontan verfolgt. Inzwischen bleiben wir einfach stehen und tun so als schauten wir uns etwas an, damit wir die Verfolger abschuetteln koennen.

Heute haben wir uns den Uni-Campus von Harvard angeschaut. Ehrwuerdige Haeuser stehen auf gepflegtem Rasen von Baeumen umgeben herum und dazwischen eine Bibliothek, die in ihrere griechischen Monstroesitaet glatt auf der Akropolis stehen koennte. Es ist also ziemlich anders als die Frankfurter Uni, obwohl die Naturwissenschaftler natuerlich im neuesten und haesslichsten aller Gebaeude untergebracht sind.

Wir sind jetzt stolze Besitzer einer Shawn's Card! Heute haben wir uns endlich getraut zu fragen, wie man so etwas zu bekommt, haben auf einer Karte Name und Adresse angeben muessen und haben prompt 3,55 Dollar gespart! Auch ein paar Fotos sind schon entwickelt. Beschissene Qualitaet natuerlich, aber was soll's. Bloederweise fragen die einen im Fotoladen immer nach dem Namen, damit sie die Bestellung zuordnen koennen und jedesmal gibt es Schwierigkeiten mit meinem Nachnamen. Ich habe mir schon ueberlegt, ob ich das naechste Mal nicht einfach Leopardi sage. Aber das ist wahrscheinlich auch noch zu kompliziert. Obwohl, so eine Fototasche mit Rolando Leopardi darauf...mal sehen.